[written in pencil:] [Letter 5] [/written in pencil]
[preprinted:] Aug. Stockebrand Kornbranntwein= Brennerei KÖRBECKE. [/preprinted]
[preprinted:] Körbecke, den [/preprinted] 13 Januar [preprinted:] 192 [/preprinted] 3 [preprinted:] (Kreis Soest) [/preprinted]
Lieber Vetter Brenhard [sic] mit Frau & Kinder
Dein lieber Brief von Weihnachten gelangte am 9 d Mts hier an und sage Dir meinen herz= lichsten Dank für selben, ihr habt ja dort einen schönen Weihnachten bei herrlichem Wetter gefeiert in Ruhe und Frie= den aber [wird?] ich legte Dier [sic] ein Zeitungsausschnitt bei danach kannst Du Urteilen selbiger ist in allen Teilen so wie es hier ist traurig Die Hungersnot wird nicht aus= bleiben bis uns, um uns brauchst du aber nicht bange zu sein wenn man uns nicht alles weg raub dann haben wir zu leben also Klagen möchte ich in meinem heutigen Schreiben nicht, unser Briefwechsel ist ja diesmal in gute 4 Wochen gewechselt hoffentlich schreibst Du auch gleich wieder, bei Euch hat sich seit Deiner vorigen Briefe ja wenig geändert solches ist bei uns aber das Gegenteil ich schicke Dir 3 Zeitungen selbiges ließ, und dann wirst Du unser Elend sehen, die Franzosen kommen nun auch uns bald auf den Leib waß [sic] wird da aus uns armen Deutschland werden wir wohnen im Lande der Kohle und haben keine der Franzose läßt uns jetz [sic] jedenfalls gar keine mehr [?] die letzten Monate kosteten 100 H Kohlen schon 3000 Mk ein Raumeter [sic] Brennholz 25000 Mk die Preise für Vieh und Getreide wirst Du aus den Zeitungen finden. Lieber Vetter wie Glücklich könnt ihr Euch schätzen dort zu sein, vor dem Kriege war es hier auch schön, es fehlte uns an
an nichts nun der liebe Gott wird wohl noch leben, aber Jahre
werden Vergehen ehe wir Ruhe und Frieden in Europa [?]
werden, vieleicht [sic] ist der Franzose nächste Woche schon bei uns
selbiger wird alle Bergwerke und Fabriken besetzen, ich habe
Dir ja schon von der großen Talsperre bei uns geschrieben
selbige wird jedenfalls auch besetzt werden, und dann? waß [sic]
wird dann werden - ich weiß es nicht zu leben haben
wir heute noch waß [sic] wir brauchen Geld haben wir mehr
als wir brauchen, waß [sic] wir [reich?] entbehren ist Kaffe [sic]
Thee Kakao Reis sowie alle Südfrüchten und da muß
es aber ohne gehen, wenn ich dies mit unserem Papier
geld oder sonst etwaß zahlen könnte würde ich Dich bitten
mir einige Liebespakete von obrigen Sachen zu besorgen, aber
ich kann keine Gegenleistung machen, und darum müßen
wir Roggenkaffe [sic] trinken wenn es auch schwer ist besonders
für mich. Lieber Bernhard von morgen ab wird daß [sic]
Briefporto um daß [sic] doppelte teurer bei uns ein gewöhn=
lich Brief kostet Mk 100 dann aber das ist nicht so schlimm
Papiergeld genug Gold und Silbergeld ist nicht mehr in Ver=
kehr würdest Du uns besuchen können dann könnte ich
entschädigen, ich habe mir einige [insertion:] [Stücke?] [/insertion] im letzten Augenblick zurück
gelegt. Nun lieber Berhard [sic] wenn ich in 4 - 5 Wochen
noch lebe und von Dir Antwort habe schreibe ich wieder
wenn es mir in Folge meines Augenleidens auch viel
wird Dir lieber Vetter schreibe ich, Du muß [sic] nur meine
Schrift entschuldigen. Lieber Berhard [sic] heute möchte ich Dich
mal bitten sage doch deinen Brüdern mal Sie möchten
[illegible] auch mal schreiben ich würde selbiges schon gemacht
haben wenn ich die Adresse wüßte so sind mir die Hände
gebunden. Also über unsere Lage wirst Du unterrichtet wenn
Du die [gesannten?] Zeitungen ließt nun muß wohl schließen schreibe bald wieder
[text on top of page 1, written upside down:] Etwaige Schreibfehler bitte zu entschuldigen meine Augen können nicht mehr Leb wohl lieber Vetter und schreibe wenn möglich bald wieder in steter Liebe Dein Vetter August Stockebrand [/text on top of page 1, written upside down]
Translated by Raymond C. Backes