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Marie Hansen Taylor to Lina Hansen, January 3, 1859

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Author

Marie Hansen (Taylor)

Recipient

Lina Braun (Hansen)

Date

January 3, 1859

Origin

Brooklyn, New York

Destination

Gotha, Thüringen

Description

Letter from Marie Hansen Taylor to her mother, Lina Hansen, January 3, 1859.

Type

letter

Language

German

Tags

1850-1859, transcribed

Source

Bayard Taylor Papers

Collection

Marie Hansen Taylor Correspondence

Repository

Houghton Library, Harvard University

Citation

“Marie Hansen Taylor to Lina Hansen, January 3, 1859.” Bayard Taylor Papers, Houghton Library, Harvard University, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/2154

Original text

Jan. 3. 1859. [roman:] Brooklyn. [/roman]

Meine liebste Mutter

Euere Brief, die ich lange schon er= wartet hatte, überraschten mich sehr freudig in einem Augenblick wo ich sie gerade gar nicht an sie dachte. Bayard brachte den Brief vom 6. Dec. mit von [roman:] New York [/roman] u. den vom 1. Dec., den ich schon für verloren hielt, bekam ich etwa 8 Tage später von [roman:] Kenett [/roman] zugeschickt. Ich habe Dir viel zu erzählen, liebe Mutter, von unserm Weih= nachten von unserm Leben, von Lili, u. da ist schon wieder der Tag da mir der Brief fortgehen muss, der einzige in der Woche, so daß ich nicht weiß ob ich Zeit haben werde Alles zu sagen, was ich gern möchte. Zuerst höre wir wir unsere Weihnachten feierten, an dem meine Gedanken auch gar viel bei Euch weilten. Wir hatten ein vergnügtes u. gemüthliches Fest. (Ich suchte eine besondere Freude darin es so viel wie möglich deutsch zu machen u. schuf dadurch etwas was die meisten der Theilnehmer nie zuvor mit Augen erblickt hatten. Alle meine Vorbereitungen hatte ich schon am Donnerstag getroffen. Am Freitag Morgen ging ich mit [roman:] Mrs. Stoddard [/roman] nach [roman:] New York [/roman] um Bayard vom Bahnhof abzuholen. Es war das herrlichste Wetter, ein wolkenloser Himmel u. die laueste Luft. Bayard nahm einen Wagen u. machte einige Besuche mit uns, dann wurden noch einige Geschenke eingekauft u. dann ging es nach Hause, wo wir bald darauf [roman:] Emma Taylor [/roman] u. [roman:] John [/roman] bewillkomneten. Das Arangement des Christbaumes u. der Ge= schenke war mir allein überlassen. Ein Jeder hatte mir seine Geschenke schon eingepackt u. mit Zettel versehen eingehändigt u. so kam eine reiche Bescherung zu Stande. Um 7 Uhr war Alles fertig, der Christbaum, reich geputzt stand in der Mitte unseres Zimmers auf einem großen Tische, eine Menge Geschenke darunter; auf einem Seitentischchen kam ein anderer kleiner Baum mit [roman:] Willy St.'s [/roman] Geschenken darunter, u. auf einem zweiten Tischchen

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stand ein anderer noch kleinerer Baum für Lili. Beide kleine Bäume mit wirklichen Vogelnestern u. einem kleinen ausgestopften scharlachrothem Vogel hatte Annie von [roman:] Kenett [/roman] geschickt. Wir thaten Zuckereier in die Nester, setzten eines in jeden der kleinen Bäume u. den kleinen Vogel neben das Nestchen auf [roman:] Willy's [/roman] Baum. Für Bayard hatte ich noch einen besonderen Tisch aufgeputzt mit einem grünen Kranz u. zwei amerikanischen Flaggen. Ich ließ nun die Schelle ertönen u. herauf kamen sie Alle gestürmt. [roman:] Willy St. [/roman] war ganz ent= zückt, Lili aber machte nur große u. ver= wunderte Augen. Darauf suchte ein Jeder nach seinen Geschenken. Ich bekam von Bayard einen schönen Mantel von dickem grauen Tuch, von Mutter [roman:] Taylor [/roman] ein Paar gestickte Schuhe, von [roman:] Stoddard [/roman] ein schönes Buch; von [roman:] Lizzie St. [/roman] einen Fächer; von ihrem Bruder [roman:] Wilson Bar= ston [/roman], ein Paar kleine allerliebste japanische Vasen, von E. Breistedt ein ?. Bayard war sehr über die Weste entzückt, die ich ihm gestickt hatte; nur war leider eine Seite allein fertig. Nach der Bescherung hatten wir ein schönes Abendessen mit ? Kardinal, verfertigt aus amerikanischen u. französischen Rothwein, ein Gebräu daß [sic] sie ganz köstlich fanden! Es war das erste Mal, daß wir die schöne Punschservice u. den Punschlöffel in Amerika brauchten. Den andern Tag hatten wir um [?] 5 [/?] Uhr ein gemeinschaftliches Mittagessen u. gingen danach in ein Theater, wo wir ein sehr komisches u. gutes Lustspiel sahen. Hiermit war unser Weihnachtsfest zu Ende, denn von einem zweiten Weihnachtsfeiertag weiß man hier nichts. Am 3ten, wie man in Gotha sagen würde ging Bayard in aller Frühe wieder fort, kam aber den andern Tag schon wieder; wir aßen bei [roman:] Stoddards [/roman] wo sich zufälligerweise auch der junge Dichter

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[roman:] Alderich [/roman] als Gast eingestellt hatte. Nach Tische setzten die drei Poeten: Bayard, [roman:] Stod=dard [/roman] u. [roman:] Alderich [/roman] sich hin u. machten nach gegebenen Titeln allerlei humoristische Gedichten u. wir hatten dadurch einen interessanten u. vergnügten Abend. Neujahrsabend haben wir bei einem andern Freund Bayard's zugebracht, bei [roman:] [?] Dassa [/?] [/roman], einem der Haupt = Redakteure der [roman:] Tribune [/roman]. Wir aßen da zu Mittag mit dem Dichter [roman:] Curtis [/roman], dem Maler [roman:] Higgs [/roman] u. seiner Frau u. mit dem Komponisten [roman:] Fry [/roman]. Nach Tische stellten sich noch eine Menge anderer Gäste ein. Du siehst ich be=wege mich in sehr künstlerischer Gesellschaft. Ich war zuerst sehr von dem Gedanken einge=schüchtern [sic] mit all' diesen berühmten Leuten, diesen Schriftstellern u. Künstlern zusammen=zukommen u. zu jedem etwas sagen zu müssen, allein ich habe gar bald eingesehen, daß das nicht nöthig ist, daß sie Menschen sind wie wir auch, die wir keine Schriftsteller, Dichter u. Künstler sind, aber doch Poesie u. Kunstsinn im Gemüthe haben können. Überdies wird mir mein Entrée in diese Kreise sehr durch die Freundlichkeit erleichtert, mit der mir Jedermann, als Bayard [roman:] Tay=lor's [/roman] Frau, entgegenkommt. - Ich muss Dir noch von einem schönen Neujahrsgeschenke er=zählen welches ich von Bayard's Verleger zugeschickt bekam - eine Prachtausgabe in 5 Bänden von [roman:] Washington Irving's [/roman] Leben Washington's, illustrirt mit vielen schönen Stahlstichen u. nebenbei erhielt ich noch zwei kleine Bilder, das eine Bayard's elterliches Haus, das andere Bayard selbst; beide schön eingerahmt. Einen Abdruck des ersteren schicke ich für Dich mit. Heute Mor= gen hat Bayard uns abermals verlassen um in 5 Tagen wiederzukommen, 3 Tage zu Hause zu bleiben u. dann seinen Ausflug in den

[page 4:]

Westen anzutreten, der ihn mehr als 2 Monate von uns entfernt halten will. Lili wird alle Tage lieblicher u. hübscher. Sie ist heute 5 Monate alt u. sah nie zuvor schöner aus. Ich fühle zwei Zähnchen unten ganz deutlich, noch aber sind sie nicht heraus. Sie spielt jetzt mit allerlei; ißt [roman:] Craker [/roman] von Milch u. Mehl, wobei sie dann u. wann sich so viel absuckelt daß sie sich gewaltig vollschmiert. Ich brauche ihr aber den [roman:] Craker [/roman] nur zu zeigen dann zappelt sie mit Händen u. Füßen u. lacht über das ganze Gesicht u. streckt die Händchen danach aus. An schönen Tagen trage ich sie selbst etwas hinaus in die freie Luft u. sie hat das so gern, daß es mir immer wehe thut wenn ich sie nicht hinausbringen kann. Ich denke täglich: wenn Ihr sie nur einmal sehen könntet! - Die herzinnigsten Wünsche für Euch Alle zum Neuen Jahr. Dir vor allem Gesundheit, liebe, gute Mutter! Die [?] abscheuliche [/?]; u. der armselige Peters - es ist wirklich Zeit daß diese Geschichte ein Ende nimmt. Und möchte das Ende im alten Jahre liegen! Tante [roman:] Anna [/roman] habe ich nicht gesehen. Ich habe ihr von hier aus geschrieben u. warte jetzt auf Antwort. Die Liste der Schiffe war die der Hamburger u. Bremer Linie, welche billigeres Briefporto erfordert. Ich schicke jetzt aber meine Briefe über England weil es schneller geht u. sicherer. - Für das schöne Weihnachtsgeschenk den allerbesten Dank: es ist das willkommenste was Du mir geben kannst. Es fehlen mir zwei feine [?] Kissenzüge [/?], wenn ich nicht irre 3 u. 4 oder 4 u. 5. Daß Emma's Mädchen so brauchbar ist freut mich auf= richtig für sie. Ich bin nicht so glücklich gewesen. [roman:] Lisbeth [/roman] ist seit 2 Wochen ein anderes Mädchen, ebenso ungezogen u. grob wie sie früher höflich war. Die Luft des freien Amerika's hat ihr zu stark zugesetzt; sie leidet am Freiheitstaumel. Deutsche Mädchen in der Nachbar = schaft haben ihr allerlei in den Kopf gesetzt. Ich habe ihr nach Bayard's Rath gezeigt daß ich unabhängig

[page 4, N margin:] von ihr bin u. sie entlaßen kann. Sie muß sich nach einem andern Dienst um= [/page 4, N margin]

[page 3, left-hand margin (sheet 2, right-hand side):] sehen, ich kann sie nicht behalten. Ich habe jedoch gesagt, daß sie bleiben kann bis [/page 3, left-hand margin]

[page 2, left-hand margin (sheet 2, left-hand side):] sie einen guten Dienst bekommt. Sie meint daß sie es viel besser wo anders haben [/page 2, left-hand margin]

[page 1, left-hand margin:] kann als bei mir u. viel höhern Lohn u. sie bekommt dafür daß sie nie mit + [/page 1, left-hand margin]

[page 1, top margin, cross-written:] + dem wenigen fertig werden kann, was sie zu thun hat 5 Dollar des Monats! Wir leben sehr einfach während Bayard weg ist u. ich getraue mir allenfalls eine Zeit lang ohne Mädchen sein zu können, wenn ich nicht gleich eine Andere finden sollte. Die herzlichsten Grüße an den guten lieben Vater u. alle lieben Verwandten. Bayard versuchte gestern an Bufleb zu schreiben, aber es war ihm unmöglich dazu zu kommen Bayard's Mutter u. Emma [roman:] Taylor [/roman] schicken Euch die freundlichsten Grüße. Mit innigster Liebe Deine T. Marie. [/page 1, top margin]


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