[preprinted:] EDITORIAL ROOMS OF THE
ILLINOIS STAATS-ZEITUNG,
HERMANN RASTER, Editor-in-Chief.
CHICAGO, [/preprinted] 7. Juli [preprinted:] 187 [/preprinted] 4
Liebe Schwester
Heute hatten wir die halbjährige [?]=
renversammlung und nahmen den Ge=
schäftsbericht über die letzten 6 Monate ent=
gegen. Dieser ist in Rücksicht auf die furchtbare
Zerrüttung aller Geschäfte durch die Krisis vom
letzten Herbst (und die dadurch bedingte Verrin=
gerung der Anzeigen) allerdings nicht ganz so
günstig, wie für die ersten 6 Monate des
Jahres 1873, doch in Anbetracht jener Ver=
hältnisse sehr zufriedenstellend. - Der Rein=
gewinn der Zeitung stellt sich auf über 35000
Doll, wovon indessen an 4000 Doll. halbjährliche
Verlust an dem Hause abgehen, so daß $31,000
netto bleibt. - Das Haus ist jetzt, was wo die
Miethen auf 50 bis 60 Prozent von dem,
was sie vor dem Krach waren, gesunken
sind, ein sehr unangenehmes Besitztum.
Wir rechnen uns unsre eigene Miethe zu
7200 an und schießen dann noch etwa 8000
zu, - mit andern Worten unsre Miethe kommt uns
auf $15000 zu stehen. - Nun, bei einem jährlichen
Verdienst von ca 80,000 Doll. läßt sich das
verschmerzen; - nach Verlauf mehrerer Jahre wird
sich der Verlust durch dann gestiegene Miethen wieder
einbringen.
Für die 6 Monate Januar bis Juli nun
haben wir eine Dividende von 15% erklärt,
welche Dir mit 465 Dollars gutgeschrieben ist und
vom 1. Juli an mit 10% verzinst wird, so daß
sie bis zum 1. Januar auf 488 1/4 Doll. gewachsen sein
wird. - Die 300 Dollars, welche Dir noch von der Ja=
nuar - Dividende gut stehen kannst Du, wenn Du willst
zum 1. Oktober ziehen, oder stehen lassen. von den In letzterem
Falt Falle würde Dein Guthaben zu Neujahr 803 1/4 Doll. betragen.
Ich denke, daß fas die 3100 pr. Thaler, welche Du im in Ganzem in Amerika ange=
legt hast, Dir von jetzt an regelmäßig 33 - 37% Zins tragen werden
Dein tr. Bruder
[roman:] H Raster [/roman]
[text on top of page 1, written upside down:] Wir leiden hier unter ganz fürchterlicher Hitze Gestern Mittag waren 31° [K.?] im Schatten und in unsern Zimmern 29 - 30° Selbst Nachts im Schlafzimmer 27 - 28°. [roman:] Grethe u. Mathilde [/roman] leiden schwer daran; ich auch etwas [/text on top of page 1, written upside down]
Deine Logen - Geschichte hat mich bitter geärgert und
wenn ich an irgend eine Möglichkeit hätte denken können,
Dich zu an den verfluchten Kaffern zu rächen, hätte ich es
gewiß gethan. Aber ich sehe wirklich nicht, wie ich dabei
etwas thun kann. Vielleicht daß sich eine Gelegenheit fin=
det, wenn ich in 3 oder 4 Jahren wieder hinauskomme. Aufgeschoben
ist nicht aufgehoben und die Rache schmeckt, wie [roman:] Chalotte
Russe [/roman] am süßesten, wenn sie kalt genossen wird.
In unserm Hause geht Alles gut. [roman:] Gretchen [/roman] ist längst auf und die Ernährung des Kindes scheint ihr, da dadurch ihr Appetit gewaltig gesteigert wird, recht gut zu bekommen. Leider ist uns eine vortreffliche Wärterin, welche wir für das Kind genommen hatten, nach keinen 2 Wochen wieder fortgegangen, weil sie Gesichtsrose mit furchtbaren Schmerzen bekam. Heute haben wir eine neue engagiert, eine junge Wittwe, die Ihr eigenes Kind ver= loren hat, und wollen sehen, wie sie sich macht. Das Kind selbst gedeiht zusehends. [roman:] Eddy [/roman] dagegen, obwohl munter u. fidel magert jetzt, während einer schon seit 10 Tagen andauernden mörderischen Hitze sehr ab. - Diese Hitze ist Alles, worüber wir zu klagen haben; sonst geht es uns in allen Stücken gut; Ich hatte in vor. Woche die Grippe sehr arg, so daß ich drei Tage zu Hause bleiben mußte, es ist aber nun vorbei. - Beste Grüße an Schwager u. Marie von Deinem tr. Bruder [roman:] H R [/roman]