[roman:] Chicago [/roman], 1. August 1872
Liebe Schwester
Inliegend der Vierteljahreszins für den Schwager. Leider ist der Gold - Cours ziemlich hoch (115 3/8), so daß die 50 Dollars nur 58 1/2 Thaler ergeben, doch das ist dann nicht zu ändern. Immerhin ist es nach der Rate von 234 Thaler im Jahr, oder 9 1/2 Prozent Zinsen. Sollte
Greeley statt Grant erwählt
werden, so fürchte ich, wird das
Gold noch etwas höher steigen. In=
dessen wollen wir uns darüber
jetzt noch nicht den Kopf zerbrechen.
In unserm Hause geht Alles ganz gut; der Kleine ist wieder gesund, etwas mager, aber niedlich; nur brüllt er Nachts wie alle Flaschenkinder, greulich. [roman:] Gretchen [/roman] u. ich haben seit acht Tagen etwas Kolik, doch nichts Schlimmes
Bei Wetzlers, ist die 1 1/2 Blocks
von uns wohnen, ist am 25.
Juli ein zweiter kleiner Junge
angekommen.
Die politische [?]campagne bringt für mich die üblichen pöbelhaften Anfeindungen und Ärgernisse mit sich, die oft auf meine Stimmung einen sehr bösen Einfluß üben und meinen alten Trübsinn wieder erwecken.
[roman:] Brentano [/roman] ist am 26. Juli
hier angekommen, um nach seinen
Vermögensverhältnissen zu sehen.
Was meinst Du dazu, daß (durch
Vermittlung [roman:] Vockes [/roman]) Brentano zu
uns auf die Office gekommen ist,
die Hand zur Versöhnung geboten
u. einen Nachmittag mit uns ver=
bracht hat, worauf wir alle vier
([roman:] Hesing, Brentano, Vocke [/roman] und ich) da ich
etwas ang[?]en war, in einer
Droschke nach meinem Hause fuhren.
Nun ist damit freilich nicht ge= sagt, daß in der Politik Brentano doch noch gegen uns auftreten könnte, aber die Saugemeinheiten von 1868 werden dazu doch wohl ausgeschlossen bleiben.
In großer Eile mit herzlichen Grüßen an Schwager u. Marie. Dein treuer Bruder [roman:] Hermann [/roman]