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Hermann Raster to Sophie Raster, November 12, 1871

Hermann Raster to Sophie Raster, November 12, 1871, p. 1
Hermann Raster to Sophie Raster, November 12, 1871, p. 2
Hermann Raster to Sophie Raster, November 12, 1871, p. 3
Hermann Raster to Sophie Raster, November 12, 1871, p. 4
Hermann Raster to Sophie Raster, November 12, 1871, p. 5
Hermann Raster to Sophie Raster, November 12, 1871, p. 6

Author

Hermann Raster

Recipient

Sophie Raster

Date

November 12, 1871

Origin

Chicago, Illinois

Destination

Zerbst, Anhalt

Description

Letter from Hermann Raster to his sister, Sophie Raster, November 12, 1871.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, transcription under review

Source

Hermann Raster Papers

Collection

Raster Family Letters

Repository

Newberry Library

Citation

“Hermann Raster to Sophie Raster, November 12, 1871.” Hermann Raster Papers, Newberry Library, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1597

Original text


[roman:] Chicago [/roman], 12. November 1871

Meine liebe Schwester

Gestern haben wir Deinen Brief vom 24. Oktober und gleichzeitig einen von Mathilde vom Tage zuvor erhalten. Du wirst seitdem längst erfahren haben, daß Eure Phantasie Euch das Unglück wovon Chicago betroffen worden, keineswegs zu grell gemacht hat, sondern um= gekehrt zu matt. - Unbegreiflich ist mir, wie Ihr nach meinem Telegramm nur einen Augenblick habt daran zweifeln können, daß unser Wohn= haus mit abgebrannt sei. Ich denke doch, wenn man telegraphirt: "Wir haben Alles verloren" kein Mensch darunter verstehen kann: "Unser Haus ist nicht abgebrannt." Überdies, so dürftig auch die in den deutschen Zeitungen enthaltenen Tele= gramme gewesen sind: Daß 12,000 Häuser abgebrannt seien, haben sie doch gemeldet; auch daß die Wasserwerke zerstört worden. Ich verstehe nicht, wie darauf hier noch ein Zweifel über das Schicksal der Nordseite hat bestehen können. Hätte


ich gewußt, wie naiv in Dessau die Katastrophe augefaßt worden und als wie selbstverständlich man unsere Rettung ansehen würde, hätte ich mir das Telegraphiren erspart. Während wir uns hier in der allergrauenvollsten, in unbe= schreiblich elender Lage befanden, log ich telegraphisch, daß wir alle gesund und heiter seien: - unsre Heiterkeit war die von Schiffbrüchigen in einem auf hoher See umhertreibenden Nachen. Auch in den Briefen haben wir uns bemüht, so heiter, wie mög= lich zu erscheinen, obschon es uns, und nament= lich mir bitter, bitter schwer geworden ist denn in Wirklichkeit fühle ich mich an Gemüth völlig gebrochen, arbeite zwar in meinen Geschäften mit Eifer und Thatkraft Klappe aber nachher zusammen wie ein Taschenmesser mit lahmem Charnier und verbringe trotz aller Bemühungen meiner trefflichen [roman:] Grete [/roman] u. ihrer Schwester die Abende meist in stumpfem trüben Sinnen. Auch die Geldangelegenheit mit Dir und dem Schwager habe ich so schnell erledigt, weil ich Euer Kapi=


tal nicht der Gefahr aussetzen wollte, die es im Falle eines jähen Abschlusses meines Lebens ge= laufen haben würde. -

Unter solchen Umständen machen die fast frivol heiteren Briefe Mathildes fast einen ent= fremdenden Eindruck auf mich. Gewiß gönne ich ihr, daß sie sich heiter und glücklich fühlt; allein wenn sie in drei Monaten mir so fremd ge= worden ist, daß sie im Angesicht der schrecklichen Katastrophe, durch welche wir gegangen sind, uns nur mit backfischigem Geplauder über Kaffeeklatsch, Baumkuchen pp zu unterhalten weiß, so beschleicht mich der trübe Gedanke, daß das nicht mehr die fast bis zur Sentimentali= tät zärtliche Tochter ist, die ich hier hatte. Doch wünsche ich, daß Du ihr von dem, was ich hier sage, nicht die leiseste Andeutung machst. Laß sie in ihrem fröhlichen Leichtsinn hingehen; - schließlich wird doch einmal der bittere Ernst des Lebens an sie herantreten und dann wird sie die Empfindungen verstehen, welche ihre Briefe mir jetzt einflößen.


Was mir auch in Deinem Briefe, wie in denen von [?] und meinem Schwiegervater auf= fällt, ist die kindliche Vertröstung auf die Versicherung. Habt Ihr Leutchen da drüben denn gar keine blasse Ahnung von dem, was Versicherungsgesell= schaften sind? Denkt Ihr denn, sie k.... Geld? Wie kann man nur denken, daß, wenn für 300 Millionen Thaler Werthe vernichtet werden, die Versich. - Gesellschaften zahlungsfähig bleiben? Sie beruhen doch alle auf der Wahrscheinlichkeitsrechnung, wonach in einer gegebenen Zeit von [?] hundert ver= sicherten Häusern nur 3 oder 4 abbrennen. Wenn aber statt dessen 97 abbrennen und nur 3 übrig bleiben, - wo soll das Geld herkommen? Die Zei= tung war in 12 der 14 verschiedenen Gesellschaften im Ganzen zu 36000 Doll. versichert, wovon wir, da einige der Gesellschaften ausländisch waren, vielleicht 8000 herausbekommen werden. Das ist aber noch sehr günstig. Mein Haus war, wie Du weißt, zu 5000 versichert; davon erhalte ich vielleicht, durch besondere Bevorzugung ein Zehntel, d. h. 500 Dollars; von meinen 2000 Doll. Versicherung auf die Möbel, wenn irgend Etwas, 5 Prozent, also 100 Dollars. Das wären 600 Dollars für Haus, Mobiliar, Klavier, Bücher pp. , was alles nach mäßigster Schätzung 12000 Dollars werth war. Die 11,400 Dollars, die dazwischen


Daß wir uns in einer kleinen [roman:] cottage [/roman] auf der Südwestseite (immerhin 1 2/3 engl. Meilen von meiner neuen Office) eingerichtet haben, wirst Du aus Mathildes Briefen wissen. In einem Briefe, welchen wir am Freitag geschrieben, habe ich einen Grundriß der kleinen Grundstücke gezeichnet. - Mit meinen Finanzen bin ich nur in den ersten Tagen nach dem Feuer, so lange [?] nach Indianapolis entflohen und die Bankgewölbe noch nicht geöff= net waren, knapp gewesen. Ich hatte am 7. Oktober 50 Doll. mit nach Hause genommen und in meinem "Feuerfesten" die 2 Hundertthalerscheine, so wie einen Check von [?] auf 300 Doll. gelassen. Von diesen 500 Doll. hatte ich 350 für die Wahlkosten bestimmt gehabt und mir vorläufig gar nicht unter meine Einnahmen geschrieben. - In der ersten Woche nach dem Feuer schmolzen die 50 Thaler bald zusammen, aber [roman:] Meyer [/roman] von der Handelsztg schickte mir sofort per Expreß 200 Dollars. Als dann [?] kam, stellte er mir statt der verbrannten Checks einen neuen aus, den [roman:] Greenebaum [/roman] [servirte?] und auf mein Gehalt von der Zeitung (welches ich als Vicepräsident sofort auf 30 Doll. per Woche herabgesetzt habe) zog ich 30 Doll. So hatte und habe ich Geld genug in Hand, um unsre neue Einrichtung zu bestreiten, auch noch, was sein


muß, 150 (statt der ursprünglich beabsichtigten 350) Doll. zu der Wahl zu bezahlen. - Gekauft haben wir für unser Wirthschaftchen, Heizofen, sehr schön, für 21, 1 Kochofen (praktisch besser als den wir hatten) mit Blechgeschirr für 26, sonstige Geräthe, Eimer, Schaufeln pp für 10, Steingutgeschirr, Lampen (eine sehr schöne für 6 1/2), Waschbecken, Nachttöpfe pp für 28 Dollars. - Gekauft, aber noch zu bezahlen haben wir 3 Bettstellen (alle zwei[schläfrig?], halb so theuer, als sie auf der Südseite waren) mit Sprungfeder= Einsätzen und Maishülsen = Matratzen, 2 Kommoden, 2 Waschtische, Küchentisch, 4 Holzstühle, Plättbrett, [insertion] Auszieheßtisch [/insertion] pp alles zusammengenommen, sehr hübsch [insertion:] (black walnut) [/insertion], aus der Fabrik, für unge= fähr 110 Dollars. - Zu Teppich ($ 1.60 die Yard, gelegt) ist Maß genommen; er wird ungefähr 75 Dollars kosten. Die Gardinen aus dem Parlor habe ich zwar gerettet, sie sind aber noch weit draußen an der Fullerton Avenue bei den Gärtnersleuten, bei welchen wir in der Schreckens= nacht Zuflucht fanden. - Sonst gerettet sind: alle 5 Roß= haarstühle und 2 Lehnstühle aus dem Parlor, der schöne grüne Lehnstuhl, den ich im Frühjahr für 45 Doll. kaufte, [insertion:] das von meiner 1. Frau und das runde von Dir gestickte Kissen [/insertion] der alte grüne Lehnstuhl, den mir Stein kaufte, der ovale Tisch aus dem Parlor samt den Albums [insertion:] Reineke Fuchs, [Dora's ?] Märchen [/insertion] und Stereoskopen, der kleine Tisch mit Marmorplatte, der von meiner zweiten Frau gestickte Feld= stuhl, die runde Tischdecke [insertion:] ein Rohrstuhl und der große Spiegel [/insertion] aus dem Wohnzimmer, [insertion:] die Reisedecke [/insertion], die Klavierdecke, ein neuer schöner Klavierstuhl, die Decke von dem ovalen Tisch im Parlor, einige Nipsfiguren, [insertion:] der lederne Handkoffer, den ich vor Eurer Reise kaufte, [/insertion] das japanische Schränkchen, die Bilder, die über dem Klavier hingen, [insertion] [roman:] Gretchen's [/roman] Brautkranz und Schleier [/insertion], Federbetten, beinahe alle, [insertion:] Steppdecken u. Wolldecken, bis auf zwei [/insertion], [roman:] Gretchens [/roman] Wäsche aus dem Schrank [insertion:] 6 Hemden und 5 Taschentücher von mir [/insertion] und fast alle guten Kleidungsstücke [insertion:] mein blauer Winterüberzieher, Frack, Rock pp [/insertion], so wie Schmucksachen und Silberzeug, auch vier oder fünf Bände Musikalien (darunter das hübsche grüne Liederbuch, das ich Dir mitgeben wollte und der musikal. Hausschatz). Alles Übrige ist futsch, - am futschesten. Doch darüber verlieren wir den Muth nicht. Die Haupt= sache ist, daß meine Weibsleute ausgelassen heiter sind und ich so so. Dein [roman:] H Raster [/roman]


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