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Margarethe Raster to Anna Oppenheim, May 4, 1871

Margarethe Raster to Anna Oppenheim, May 4, 1871, p. 1
Margarethe Raster to Anna Oppenheim, May 4, 1871, p. 2
Margarethe Raster to Anna Oppenheim, May 4, 1871, p. 3
Margarethe Raster to Anna Oppenheim, May 4, 1871, p. 4
Margarethe Raster to Anna Oppenheim, May 4, 1871, p. 5
Margarethe Raster to Anna Oppenheim, May 4, 1871, p. 6

Author

Margarethe Oppenheim (Raster)

Recipient

Anna Oppenheim

Date

May 4, 1871

Destination

Dessau, Anhalt

Description

Letter from Margarethe Oppenheim Raster to her mother, Anna Oppenheim, May 4, 1871.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, transcription under review

Source

Hermann Raster Papers

Collection

Raster Family Letters

Repository

Newberry Library

Citation

“Margarethe Raster to Anna Oppenheim, May 4, 1871.” Hermann Raster Papers, Newberry Library, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1585

Original text


[top of page, written in pencil] from Margarethe, [??] [Anna?] & Gertrud read but not trans [/top of page, written in pencil]

Sonntag, 4/5 1871

[written in pencil] May 4, 1871 [/written in pencil]

Endlich, mein innig geliebtes Muttchen ist Gertrud hier angelangt in Begleitung einer sehr netten jungen Dame, die Du ja auch kennst, wie mir Gertrud sagt. In Worten kann ich meine Freude nicht aus- drücken, meine Dankbarkeit für Dich und selbst Vater, daß er Erlaubniß und Mittel gegeben, meinen höchsten Wunsch zu erfüllen, denjenigen natürlich ausgenommen Dich hier zu sehen, der mir noch darüber geht. Ich weiß ja am Besten welch Opfer Du gebracht! Jedoch denke ich und auch mein Mann denkt so, daß nachdem der erste Trennungsschmerz vorüber


Du gewiß finden wirst, daß es so am Besten ist und daß Gertruds Dortsein Eure Lage wesentlich verschlechtern würde. Wie glücklich ich über die Lösung der Verhältnisse Deinet= wegen bin, kann ich gar nicht beschreiben und hoffe ich, daß die Ruhe und Zufrie= denheit Deiner jetzigen Lage, Dich vollständig gesund erhalten wird. Auch ich kann jetzt Gott sei Dank! aus tiefstem Herzen mich einer seit Tagen t ganz plötzlich eingetretenen Besserung erfreuen, obgleich die entsetzliche Nervenkrankheit immer wie ein Gespenst hinter mir steht und mich meiner Gesundheit nicht so recht froh werden läßt. Am vergangenen Freitag d. 27ten


erhielten wir eure Briefe die Ger= truds Abreise meldeten und seit der Zeit verbrachte ich fast alle Kräfte in Aufregung und schlaflos, denn alle möglichen natürlich, unsin= nigen Phantasien kommen einem in der Stille der Nacht und muß ich lachen, wenn ich Trudchen, so wohl und munter (sie ist sehr stark unterwegs geworden) und vergnügt von ihrer sehr an= genehmen Reise reden höre. So schnell geht es jetzt nach Amerika, wie lächerlich kommen einem da die Sorgen vor, die man sich so überflüssig macht. Die junge Dame logirte bei uns in dem Zimmer, daß wir in aller Eile hergerichtet. Es ist ein großes, schönes Zimmer


im obersten Stock, enthält zwei Betten, zwei Komoden, einen Waschtisch mit Wasch[?] Kannen, Gläsern, nebenbei ein schön lackirter Eimer, Fußwanne und Wasserkanne von Blech, was sehr hübsch aussieht. An demselben Tage, wo wir in all der Eile waren kam der Tappezirer es zu tappeziren, denn es ist, wie in den meisten Häusern hier nur sehr glatt weiß gegipst. Wir mußten ihn natürlich fortschicken und waren sehr glücklich, wie wir überhaupt bis zum Freitag Abend nach 8 Uhr, wo sie ankamen noch fertig wurden. Eben sind sie an die B[?] gefahren, mein Mann, Gertrud u Mathilde, Frl Munk,


die heute weiter nach Kalifornien reist an den Bahnhof zu bringen. Trudchens Garderobe ist über alle Erwartung elegant und für alle Fälle ausreichend und passend, ebenso das rei= zende Kinderkleidchen, das Schönste was wir bis jetzt besitzen und sitzt recht gut. Auch für Mathildens [Schuhe?] besten Dank, es ist ihr ein inniger Wunsch damit erfüllt worden. Trudchen und Ma= thilde sind die besten Freun= dinnen und küssen sich den ganzen Tag. Sophie und Gertrud nennen sich Du und finden, wie mir scheint großes Gefallen aneinander.


Mein Mann fühlt sich sehr stolz so plötzlich zu einer solchen Tochter gekommen zu sein und Alle sind wir glücklich und zufrieden bis auf die Sehnsucht nach Dir. Der Gedanke daß Dir irgend Etwas fehlen könnte, ist die einzige unsern Frohsinn unterbrechende Sorge. Laß nur Dich nicht zu sehr von Sorgen und Sehnen nach uns beängstigen, glaube daß es und wohl geht und nichts uns fehlt, als daß Du Dich zufrieden fühlst. Trud= chen ist dick und fett und sonst unverändert in ihrem Wesen und wird sie die lange vermißte Ruhe eines glücklichen Familienlebens jeden trüben Gedanken bannen Mit tausend Grüßen und Küssen Deine Margarethe


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