• Contributor Login
  • Transcriber Login
  • Register as a Contributor
Menu
  • german heritage in letters logo
  • News
  • Share Your Letters
  • Help Transcribe
  • Explore Collections
  • Browse Letters
  • Search

Lina Hansen to Marie Taylor, December 29, 1870

http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Taylor_0302_0001.jpg
http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Taylor_0302_0002.jpg

Author

Lina Braun (Hansen)

Recipient

Marie Hansen (Taylor)

Date

December 29, 1870

Origin

Gotha, Thüringen

Description

Letter from Lina Hansen to her daughter, Marie Hansen Taylor, December 29, 1870.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, transcription under review

Source

Bayard Taylor Papers

Collection

Marie Hansen Taylor Correspondence

Repository

Houghton Library, Harvard University

Citation

“Lina Hansen to Marie Taylor, December 29, 1870.” Bayard Taylor Papers, Houghton Library, Harvard University, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1447

Original text

[page 1 (sheet 1, right-hand side):]

Gotha, den 29ten Dec. 1870

Meine liebste Maria!

Deinen lieben Brief vom 4ten Dec. erhielt ich vorigen Freitag, also gerade vor dem Christ= fest worüber ich sehr erfreut war u. herzlich für denselben danke. Den Heiligenabend ha= ben wir dießmal sehr stille verlebt, die Kälte war so grimmig (25° am Morgen u. hielt sich den ganzen Tag auf 22°) daß wir die Kinder gegen Abend nicht zu uns zu bringen wagten u. so verlegten wir die Bescherung auf den 1ten Feiertag wo es freilich auch noch 18 - 20° waren. Da brannte denn nun am Abend der große u. kleine Baum im hellen Lichterglanz u. die Kinder waren sehr glücklich über ihre Ge= schenke. Wie gerne ich Lilian u. die andern Enkel auch mit dabei gehabt hätte, kannst Du Dir wohl denken, liebe Maria, doch bin ich in dieser Zeit auch geistig so abgespannt gewesen daß solche Gedanken ich nicht lange festhalten kann. Es ist mit meiner Gesundheit in letz=

[page 2, left-hand side of sheet 2]

ter Zeit gar zu schlecht gegangen, die beiden heftigen Anfälle von Brustkrampf die ich in kurzer Zeit nach einander hatte, hatten mei=nen Körper gar zu sehr geschwächt. Nun hat sich aber der Schmerz in der Brust der nachblieb u. von welchen  Madlung sagt daß es ein Nerf sei der den Schmerz verursachte, wieder ganz beruhigt, u. auch der Husten ist ganz weg u. so hoffe ich denn daß nach u. nach auch die Kräfte etwas zunehmen werden wenn die bösen Kopfweh mich nicht zu oft heimsuchen. Dieser harte Win=ter ist sehr böse für mich, die Zimmerluft auf die ich ja ganz beschränkt bin verursacht natür=lich meine Schwäche mehr als daß sie gemindert wird. Zu Buflebs bin ich seit mehreren Wo=chen nicht gekommen, die gute Tante besucht mich aber täglich ein Weilchen, wofür ich ihr sehr dank=bar bin. Mit des Onkels Befinden geht es er=träglich, es ist ein trauriger Zustand, aber besser wie im vorigen Winter ist es doch. Zu einer wahren Weihnachtsfreude hat man natür=lich im allgemeinen nicht kommen können, der schreckliche Krieg mit all seinen [sic] Jammer u. Greuel lastet zu schwer auf aller Herzen u. immer noch keine Aussicht zum Frieden, im=mer müssen wieder neue Ersatztruppen

[page 3, right-hand side of sheet 2]

fort u. tausende von Familien werden in Trauer gestürzt. Diese Woche hat der König einen Aufruf erhalten der alle früher in Dienst gewesenen Militärs, ebenso alle Frei=willigen die nicht mehr dienstpflichtig sind in den nicht preußischen Ländern, wo sie ja bis zum 40ten Jahre dienstpflichtig bleiben, auffordert sich zum Garnisondienst u. zur Bewachung der Gefangenen zu stellen. Zu diesen gehört auch Otto Braun mit, ich weiß nicht ob er sich stellen wird, doch scheint es mir eine Ehrensache für einen jungen Mann zu sein nicht nach zu stehen wenn das Vaterland in Noth ist. Für die junge Frau u. die Eltern ist es freilich schrecklich hart wenn er fort muß. Wilhelm ist ja schon im 39ten Jahre, er kann sich wohl noch davon zurückstellen u. lange kann der Widerstand in Frankreich doch auch nicht mehr anhalten. Die armen Hensels haben ihren Johannes auch hergeben müssen, diese Nachricht hat mich tief betrübt, bei Erstürmung eines Dorfes vor Orleans hat eine Kugel durch den Kopf seinen Leben augenblicklich ein Ende gemacht. Er war ein sehr braver u. sehr talentvoller junger Mann, auch Repsold's in dessen Geschäft

[page 4 (sheet 1, left-hand side):]

er war, beklagen sehr seinen Verlust. Die arme Tante wird diesen Schlag sehr schwer überwinden. Carl Repsold ist jetzt zu Hause sie haben ihn aus dem Lazareth in Hanover geholt. Seine Wunde war nicht gefährlich aber seine völlige Genesung zieht sich doch lange hin. - Die Nachricht, liebe Marie, daß Ihr näch=stes Jahr noch nicht nach Deutschland kommen werdet hat mich natürlich recht niederge=schlagen denn ich hatte ziemlich sicher erwar=tet Euch bald zu sehen, einige Aeußerungen Deines lieben Mannes hatten mir diese Hoffnung gegeben. Annie begleitet wohl ihre Eltern nach Amerika? Wenn Du wieder an Deine Schwie=germutter schreibst, so bitte ich Dich mich bei ihr u. Mrs. Eva zu entschuldigen daß ich ihre freund=lichen Briefe noch nicht beantwortet habe, das war mir bei meiner fortwährenden Kränklichkeit unmöglich, sage Ihnen daß ich mich sehr darauf freu=te sie im Frühjahr bei uns zu sehen u. auch hoffte daß Annie u. ihre Familie sie begleiteten u. mit zu uns käme. Daß es mit Deiner Gesund=heit so viel besser geht, ist mir ein großer Trost liebe Maria, schone Dich nur in Neu-York daß das Leben der großen Stadt nicht diese Besserung mindert. Sorge macht es mir daß die Schule für Lilian nicht passend ist, gewiß wäre ein anhaltende guter Unterricht dringend nothwendig für sie. Mein Weihnachtsbrief

[page 1 (sheet 1, right-hand side), top margin, written upside-down:]

wird hoffentlich angelangt sein, auch Engel u. Papier für lieb Lilian, daß ich ihr nichts besseres schicken könnte ist mir noch sehr leid. Die Kiste ist angelangt, schon seit langer Zeit, niemand hat gewusst von wem sie war, da Dein Brief nicht an den Geschäftsführer des Hülfsvereins gelangt war, obgleich wir ihn im Ministerium abgegeben hatten. Auf wiederholte Nach=forschung haben wir endlich diesen Aufschluß erhalten. Die Kiste ist zollfrei eingegangen, hat aber gegen 3 rt Porto von Bremen gekostet.

[/page 1, top margin]

[page 1 (sheet 1, right-hand side), bottom margin, written upside-down:]
Wenn Staatrath Brückner zurückkommt, der in Châteauneuf sei=nen schwer verwundeten Sohn besucht, so hoffen wir noch Aufschluß über die Sache zu erhalten. Eine Quittung haben wir nur für Dich

[/page 1, bottom margin]

[page 2 (sheet 2, left-hand side), bottom margin, written upside-down:]

erbeten, aber noch nicht erhalten. Emma hatte 15 rt geschickt auf die wir sogleich Quittung erhielten.

[/page 2, bottom margin]

[page 3 (sheet 2, right-hand side), bottom margin, written upside-down:]

Ich vergaß Dir neulich für das Blattstichmuster zu danken kaum glaube ich daß ich noch einmal zu solcher Arbeit

[/page 3, bottom margin]

[page 3 (sheet 2, right-hand side), top margin, written upside-down:]

kommen werde, die Augen sind viel zu schwach geworden. Nun leb wohl, liebste Maria, gieb Lilian einen Kuß von

[/page 3, top margin]

[page 2 (sheet 2, left-hand side), top margin, written upside-down:]

mir. Gott behüte Euch! Mit innigster Liebe Deine Mutter.
[/page 2, top margin]


  • ← Previous Item
  • Next Item →
Wunderbar Together logo
German Historical Institute logo

  • ©2021 German Historical Institute Washington DC. All rights reserved.
  • Privacy Policy
  • Impressum
  • Site by Artefacto