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Lina Hansen to Marie Taylor, July 4, 1870

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Author

Lina Braun (Hansen)

Recipient

Marie Hansen (Taylor)

Date

July 4, 1870

Origin

Gotha, Thüringen

Description

Letter from Lina Hansen to her daughter, Marie Hansen Taylor, July 4, 1870.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, transcribed

Source

Bayard Taylor Papers

Collection

Marie Hansen Taylor Correspondence

Repository

Houghton Library, Harvard University

Citation

“Lina Hansen to Marie Taylor, July 4, 1870.” Bayard Taylor Papers, Houghton Library, Harvard University, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1428

Original text

[page 1 (sheet 1, right-hand side):]

Gotha, den 4ten July 1870

Meine liebste Marie!

Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief vom 5ten Juny aus dem ich mit vieler Freude gesehen daß Dein lieber Mann fort=während eine glückliche u. interessante Reise gehabt hat, nun ist er wohl schon wieder zurückgekehrt oder doch auf der Rückreise, möge ihm diese eben so angenehm sein, wie die Hinreise! Recht froh war ich auch zu erfahren daß unsere Briefe zu Deinem Ge=burtstag rechtzeitig angekommen u. der Kragen Dir willkommen war. Daß Du den Tag still verleben würdest, hatte ich mir wohl ge=dacht u. recht leid thut es mir daß Bayard ab=wesend war, ich hatte gerade recht heftige Kopf=schmerzen u. fühlte mich so krank dabei daß meine Gedanken mich nicht recht klar zu den beiden Geburtstagskindern, für die ich so viele gute Wünsche im Herzen trug, hinführen konn=ten. Ich freue mich nun sehr darauf Dei-

[page 2 (sheet 2, left-hand side):]

ne Schwiegereltern recht viel von Euch zu hören, leider wird nur die Sprache dabei hin=derlich sein. Auf Wilhelm u. Ida's Vermittelung ist ja nicht viel zu rechnen, er hat zu viel Ge=schäfte u. Ida ist doch auch sehr an's Haus ge=bunden, ihre Mutter ist noch hier. Wenn Fanny Becker nicht in Berlin bei der Enke wäre, so hätte ich sie vielleicht gebeten diese Zeit zu uns zu kommen. Ein Fräulein das mir die Wirthschaft führt habe ich, obgleich ich seit vie=len Wochen danach suche, noch nicht gefunden u. ich habe noch keine Ahnung wie es eigent=lich damit werden wird. Nach allen Richtungen hin hat die Tante Auguste, die ja eine viel grö=ßere Bekanntschaft wie ich hat, Auftrag gege=ben, aber niemand weiß eine zu empfehlen. Gegen Mitte August wird mir Ida ihre Kinder bringen um sie während sie nach den Alpen anstatt des Seebads mit Müllers geht, bei uns zu lassen u. so muß ich durchaus bis dahin jemand haben u. wäre es auch nur eine Aushülfe für einige Wochen ist, denn ich getraue mir nicht die Kinder allein zu überwachen. Du glaubst nicht, liebe Marie, was für ein trau=riges u. auch beunruhigendes Gefühl es für mich ist so verlassen u. in Bezug auf meine Kräfte

[page 3 (sheet 2, right-hand side):]

so gänzlich unvermögend zu sein. Es geht mir jetzt etwas besser, ich habe weniger Schmer=zen, obgleich sie doch noch keine Woche ganz ausgeblieben sind, aber die Schwäche bleibt doch immer dieselbe. Da ich in den letzten Wochen wieder etwas mehr habe essen können u. nicht mehr mit gänzlicher Apetitlosigkeit, so hoffe ich doch daß ich nach u. nach auch wieder etwas kräftiger werde. Es ist wirklich ein trauriges Leben immer so leidend u. so schwach zu sein. Der Sommer ist freilich auch recht ungünstig für mich, nur wenig warme u. einige heiße Tage haben wir gehabt, erst gänzlichen Mangel an Regen u. nun seit 2 Wochen keinen Tag ohne Regen u. Sturm, das Regenwetter scheint sich von Amerika zu und gezogen zu haben. Es thut mir recht leid für Euch daß ihr eine so nasse Zeit hattet, sie ist gar zu ungemüthlich u. wenn sie auch noch dem Garten Schaden bringt, so ist es auch traurig. Unsere schöne Rosenblüthe leidet auch dabei u. wir haben unvergeßlich schöne Rosen im Garten ich wünsche so oft Du könntest sie sehen. Auch eine sehr reiche Erdbeererndte haben wir, so große Beeren wie nie früher. Diese habe ich dadurch

[page 4 (sheet 1, left-hand side):]

erlangt daß im Herbst die Beete ganz mit Pfer=dedünger bedeckt worden sind, den Winter hindurch dringt die Düngung in die Erde u. daß Stroh bleibt liegen, dieses hält dann die Feuchtigkeit in der Erde bei trockener Zeit u. schützt bei nasser vor Würmer u. Fäulniß. Erst im August wird er mit eingegraben u. später wieder die Beete frisch bedeckt. [illegible] in Petersburg macht es auch so, er pflanzt sie viel weiter auseinander wie wir hier u. soll dabei Beeren von ausgezeichneten Größe erhalten. Heute habt Ihr einen Best-Practice tag, ich habe ihn nicht vergessen u. wünsche daß Ihr ihn recht froh verleben möget. Von den Indianerhäuptlingen kommen erst jetzt die Nachrichten in unseren Zeitungen die wenig Hoffnung für Erhaltung der Indianer durch diese Zusammenkunft ausspre=chen. Der liebe Vater ist vorige Woche zwei Tage in Leipzig gewesen, da er gerade in der letzten Zeit erkältet u. nicht recht munter war, hatte ich große Sorge daß ihn die Rei=se so sehr angreifen würde, er kam aber doch munterer als ich erwartet zurück u. hat sich nun wieder ganz davon ausgeruht.

[page 5 (sheet 3):]

Er hat in der Akademie einen Vortrag gehalten über ein Statif welches er zum Beobachtungen bei dem Venusdurchgang kon=struirt hat. Er hatte ein Model dessen bei [Autfeld?] machen lassen u. es dort vorgezeigt u. erklärt, es erhielt großen Beifall u. wird bei den Beobachtungen von großen Nutzen sein. Es ist wohl eine rechte Himmelsgabe daß das Alter seinen Geist nicht schwächt, er ist noch unverändert frisch u. thätig, wenn nur der Körper gleich kräftig bliebe, seine Kräfte haben doch sehr abgenommen, das Gehen wird ihm sehr schwer, er klagt so oft darüber. Der ar=me Onkel Bufleb ist in den letzten Tagen sehr schwach, vorigen Donnerstag hat ihn die Tante durchaus nicht vom Ausgehen zurück halten können, sie musste eiligst Hut u. Tuch holen um ihm nachzugehen, so ging er durch den Park, unten wo das Thor ist heraus, den Weg bei Rothsteiner Haus vorbei u. auf dem Eisenbahnweg zurück. Bei Rothsteiner Haus ist der Schütz gekommen u. hat ihn nach Hause geführt, die arme Tante konnte ihn nicht mehr fortbringen, wie sie in's Haus traten ist sie in ein jämmerliches Weinen ausgebrochen, unterwegs hatten ihnen so

[page 6 (sheet 4):]

vielen Menschen begegnet, viele waren stehen geblieben u. hatten ihnen nachgesehen u. viele Arbeitsleute die ihnen auf dem Weg hinter den Park begegnet hatten laut ihre Verwunderung u. Bedauern über den elen=den Zustand ausgesprochen u. hatten da schon der Tante manche Thräne damit entlockt. Wie es ihr möglich gewesen ist ihn auf dem langen Weg zu stützen, davon habe ich gar keinen Begriff, denn die ganze Last seines Körpers liegt ja auf ihr wenn sie ihn führt. Bei ihm muß eine ungeheure Auf=regung es ermöglicht haben daß er den Weg machen konnte, wenn man ihn im Zimmer gehen sieht glaubt man jeden Augenblick er wird umsinken u. unzählige mal ist er ja auch schon gefallen weil er sich nicht erhalten könnte. Er fühlt jetzt selbst daß er sich mit diesem Weg geschadet hat wenn nur nicht noch schlimmere Folgen wie Schwäche u. Abspan=nung darauf folgen. Emma Breistedt scheint die Tante weniger zu belästigen wie ich erwar=tete, sie hält sich ruhig, bleibt meist für sich allein u. ist fügsamer auch ist die Tante viel gleichgültiger über ihr Thuen u. lässt sie ihren Weg gehen, das ist auch das Beste.


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